Katzenhilfe Norderstedt e.V.
   

Warum Katzen nichts Süßes schmecken können


San Francisco (rpo). Menschen und fast alle anderen Säugetiere zieht der Geschmack von Süßem unwiderstehlich an. Katzen machen da eine Ausnahme: Süßliche Nahrung lässt sie völlig kalt. Wissenschaftler haben nun festgestellt, warum die Stubentiger nicht auf Leckereien fliegen: Sie können Süßes nicht schlicht und einfach nicht schmecken.

Den Tieren fehlen Teile des Gens, das die Informationen für eine Hälfte des Erkennungsproteins für "süß" trägt, haben amerikanische Forscher entdeckt. Die Folge ist ein funktionsunfähiger Rezeptor in den Geschmacksknopsen der Katzenzunge.

Da diese Veränderung nicht nur Hauskatzen, sondern auch wilde Katzenarten wie Tiger und Geparden betrifft, hat sie sich wahrscheinlich schon relativ früh in der Evolution der Katzen entwickelt. Das berichten die Wissenschaftler um Joseph Brand vom Monell Chemical Senses Center in Philadelphia in der Fachzeitschrift "PLoS Genetics".

In Sachen Süßes sind Katzen eine Ausnahme: Während praktisch alle anderen Säugetiere von Zucker oder anderen Süßigkeiten angezogen werden, interessieren sich Katzen überhaupt nicht für Süßes.

Andere Geschmacksrichtungen - Bitter, Sauer, Salzig und "Umami", die Reaktion auf bestimmte Aminosäuren - sind bei den Tieren dagegen ähnlich ausgeprägt wie beim Menschen oder beim Hund. Wissenschaftler vermuten daher schon länger, dass Katzen süßen Geschmack nur sehr eingeschränkt oder gar nicht wahrnehmen können.

Ursache liegt in den Genen

Um diese Hypothese zu überprüfen, untersuchten die Forscher um Brand die Geschmacksrezeptorgene von Hauskatzen, Tigern und Geparden. Das Erkennungsprotein für Süßes besteht bei den meisten Säugetieren aus zwei ineinander verzahnten Eiweißen namens T1R2 und T1R3.

Da T1R3 außerdem Bestandteil des Umami-Rezeptors ist, der bei Katzen einwandfrei funktioniert, konzentrierten die Wissenschaftler ihre Untersuchung auf das T1R2-Gen.

Tatsächlich fehlte eine wichtige Region des Gens im Katzenerbgut, ergab die Auswertung. Durch diese Veränderung wurde der Erbgutabschnitt funktionsunfähig, so dass seine Informationen nicht mehr in ein Eiweiß übersetzt werden können.

Geschmacksrezeptoren können nicht nur die Nahrungsvorlieben einer Art widerspiegeln, sondern können im Lauf der Evolution auch direkt von der Futterauswahl geprägt werden, schreiben die Forscher. Was jedoch Ursache und was Wirkung ist, sei nur schwer nachvollziehbar.

Als nächstes wollen die Wissenschaftler daher untersuchen, ob die Katzen wegen ihrer veränderten Geschmacksknospen zu reinen Fleischfressern geworden sind oder ob die ständige proteinreiche und kohlenhydratarme Diät die Rezeptoren verändert haben.

(aus RP ONLINE)

 
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